In Kürze
Worum geht es in dem Podcast?
Dr. med. Daniel Huse, Facharzt für Anästhesiologie, Schmerztherapie und Osteopathische Medizin, betreibt eine Einzelpraxis mit Schwerpunkt auf spezieller Schmerztherapie und osteopathischer Behandlung. In seinem Trailer zum Circle of Experts 2026 verschiebt er den Blick weg von der reinen Schmerzreduktion hin zur Funktionalität des myofaszialen Systems — und ordnet damit ein Therapieziel ein, das in der konventionellen Schmerzmedizin häufig zu kurz kommt.
Ausgehend vom Faszienatlas der Forscherfamilie Stecco zeigt Huse, warum die Faszie längst nicht mehr als passives Bindegewebe verstanden werden darf: Sie ist durchzogen von Nervenendigungen, verbindet Strukturen über große anatomische Distanzen und reagiert auf Belastung wie auf Dysfunktion. An der Thoracolumbalfaszie macht er das klinisch nachvollziehbar — ein Zug am Latissimus wirkt sich auf den kontralateralen Gluteus aus, eine Überlastung der oberen Extremität schlägt nicht selten als unterer Rückenschmerz durch. Auch eine vermeintlich harmlose Obstipation unter Opioidtherapie kann den Psoas reizen und den klinischen Verlauf einer Low-Back-Pain-Behandlung kippen.
Im Zentrum seines Beitrags steht die Verbindung zwischen Faszie, Spinalganglion und Endocannabinoidsystem: In der oberflächlichen Rückenmarksregion werden — über Geschlecht und Spezies konstant — signifikant mehr CB1-Rezeptoren exprimiert. Daraus leitet Huse seine klinische Erfahrung ab, dass myofasziale und osteopathische Aspekte einen wichtigen Kontext für die Diskussion von Cannabinoiden in der Schmerztherapie bilden. Besonders an myofaszial geführten Gelenken wie der Schulter, in denen wenig knöcherne Stabilität vorhanden ist, sieht er Cannabinoide als möglichen Diskussionsbaustein im myofaszialen Kontext.
Drei Formate an einem Tag - der Circle of Experts

Fachvorträge
Klinische Praxis aus Schmerz- und Palliativmedizin, Neurologie, Pharmakologie, Pflege und Apotheke. Kurze Slots, hoher Praxisbezug, Q&A direkt im Anschluss.

Fachdiskussionen
Moderierter Austausch zwischen Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege. Themen werden vorab gesammelt und gemeinsam priorisiert.

Netzwerken
Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege kommen in kleinen Tischrunden gezielt miteinander ins Gespräch, vertiefen Kontakte aus dem Tagesprogramm und knüpfen neue Verbindungen.
Die Fachexpert:innen
Klinik, Forschung, Apotheke und Pflege — die Sprecher:innen kommen aus den Bereichen, in denen Medizinalcannabis täglich angewendet wird.

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel
Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth. Im Circle of Experts beleuchtet er ethische Aspekte der Medizinalcannabis-Therapie und plädiert für realweltliche Studien.

Prof. Dr. med. Thomas Herdegen
Prof. Dr. med. Thomas Herdegen ist Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, langjähriger stv. Leiter des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie am UKSH Kiel. Mitautor der Praxisleitlinie Cannabis und Träger des Deutschen Schmerzpreises 2024.

Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander
Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander ist Facharzt für Allgemein- und Suchtmedizin, leitet das Kompetenzzentrum K.C.M. Hannover für Cannabismedizin und ist Präsident der Deutschen Medizinal-Cannabis-Gesellschaft (DMCG). Lehrbeauftragter zu Suchtmedizin, Psychopharmakologie und Cannabismedizin.

André Ihlenfeld
Dr. André Ihlenfeld ist Facharzt für Anästhesiologie und Schmerzmediziner sowie medizinische Leitung bei Copeia, wo er Projekte zur patientenbezogenen Datenerfassung unter Cannabistherapie verantwortet (u.a. Physicians Experience Platform). Co-Autor von Publikationen zu Cannabisarzneimitteln.
Weitere Informationen
- [00:16] — Entscheidend ist nicht die Schmerzreduktion, sondern was die Funktion macht.
- [00:52] — Atlas von Prof. Stecco zeigt aktuelle Daten zur Thoracolumbalfaszie und Faszienforschung.
- [01:34] — Opioidtherapie bei Low Back Pain kann über Obstipation den Psoas irritieren.
- [02:23] — Signifikant mehr CB1-Rezeptoren in der oberflächlichen Rückenmarksregion am Spinalganglion.
- [03:11] — Myofasziale Führung am Schultergelenk und Implikationen für die Schmerztherapie.
Mein Name ist Daniel Huse, ich bin Facharzt für Anästhesie. Ich habe eine Praxis für spezielle Schmerztherapie mit einem osteopathischen Schwerpunkt. Bei uns ist ja immer so: Was macht der Schmerz? Wie weit ist die Schmerzreduktion? Wenn ich myofaszial arbeite, ist diese sekundär. Entscheidend für mich ist: Was macht die Funktion? Die Faszie selber hat viele Eigenschaften, gehe ich nachher noch ein bisschen drauf ein. Und die ist ganz entscheidend für eine gute Beweglichkeit, für ein gutes muskuläres Zusammenspiel.
Das ist ein Atlas über das menschliche Fasziensystem von Prof. Stecco. Den kann ich nur empfehlen, diesen Atlas. Da sind wirklich ganz aktuelle Daten zur Faszienforschung, wie so eine Faszie eben aussieht. Da sind Nervenendungen, da passiert relativ viel in diesem System. Und wir Ärzte haben das leider so ein bisschen ausgelagert. Hier jetzt ein Beispiel aus dem Atlas: Man sieht auf der linken Seite die Thoracolumbalfaszie. Und auf der rechten Seite einfach mal so ein Bild, was das für bindige, derbe Strukturen sind, die sich dann eben anhand so einer Belastung anordnen.
Und hier schauen wir auf die thoracolumbale Rückenfaszie. In der Schmerztherapie oder in der osteopathischen Medizin ist das eben ein Störfeld. Und man kann sich gut vorstellen: Wenn ich oben links am Latissimus ziehe, dass ich eine unmittelbare Auswirkung auch unten rechts auf den Gluteus habe. Und wenn ich viel über die obere Extremität trainiere, habe ich nicht selten eine Dysfunktion im unteren Rückenbereich. Das muss man eben beachten. Wenn ich jetzt eine Opioidtherapie bei Low Back Pain beginne und habe eine Obstipation, kann man sich vorstellen, dass der Darm, der Stuhl in der linken Beckenschaufel im Sigma länger liegen bleibt und wir haben dann da Luft- und Gasbildung. Kann man sich schon vorstellen, dass da in der Beckenschaufel der Psoas irritiert wird und dass die Patienten eben sagen: So eine Opioidtherapie, mir geht es jetzt schlechter. Mir ging es vorher besser, und so richtig wirkt es eben nicht.
Hier möchte ich nochmal dieses Spinalganglion zeigen, da wo die Sensorik, wo eben die Verarbeitung stattfindet, dann mit dem Rückenmark. Und hier schauen wir darauf, wie das bei uns aussieht. Wir gucken von hinten aufs Rückenmark rechts. Zwischen zwei Facettengelenken ist dieses Spinalganglion gut geschützt und geparkt. Und er konnte zeigen, dass in dieser oberflächlichen Rückenmarksregion deutlich mehr, signifikant mehr CB1-Rezeptoren exprimiert werden. Das ist über Geschlecht und Spezies konstant.
Meine Erfahrung mit den Cannabinoiden: Im Kontext einer fachlichen Begleitung wird die individuelle Behandlungsfrequenz diskutiert. Die Physiotherapeuten haben nachgefragt, was ist passiert? Die Funktionalität, wenn die so mit einer Halswirbelsäule arbeiten, sie bewegen die, sie haben da Ausmaße. Und wenn sie vorher bei 35 Grad waren und das Ende war, und dann irgendwann sind 50, 60 Grad drin, dann rufen die an und fragen, was da passiert ist. Und die arbeiten eben auch jeden Tag mit diesem Gewebe. Und von denen habe ich so die erste Rückmeldung bekommen Richtung Funktionalität. Und wenn ich mir jetzt so ein Schultergelenk anschaue: Das ist überwiegend myofaszial geführt, da habe ich wenig Stabilität im Gegensatz zum Knie. Da kann ich mir gut vorstellen, wenn da so ein Trauma passiert ist, eine Kraft eingewirkt hat, dass ich dieses myofasziale Gewebe erstmal eben detonisieren muss. Schulter oder bei Gelenken, die gar nicht so viel statische Arbeit leisten müssen, ist ein Cannabinoid eben auch sehr elegant.







