In Kürze
Worum geht es in dem Podcast?
Johannes Hoffmann, Apotheker der Schreiberschen Apotheke Melle, liefert im Trailer zum Circle of Experts 2026 einen kompakten Praxisüberblick über das aktuelle Spektrum medizinischer Cannabis-Zubereitungen — von verschiedenen Fertig- und Rezepturarzneimitteln auf Cannabisbasis (Details im Fachvortrag). Aus der täglichen Apothekenperspektive bringt er Klarheit in ein Sortiment, das für viele verordnende Ärztinnen und Ärzte bislang nur teilweise greifbar ist.
Inhaltlich verbindet Hoffmann pharmakokinetische Grundlagen mit applikatorischer Praxis. Er erläutert, warum die Applikationsform die Bioverfügbarkeit von THC und CBD entscheidend prägt — inhalativ erreichen nur 10 bis 35 Prozent der Dosis den Wirkort, oral noch weniger, dafür mit deutlich verzögertem Wirkeintritt. Ergänzend ordnet er die pharmakologische Bedeutung der über 200 nachgewiesenen Terpene ein und ordnet die Vielfalt der über 200 pharmakologisch diskutierten Terpene ein. Wer das Entourage-Prinzip therapeutisch nutzen will, muss die unterschiedlichen Siedepunkte und die Vaporisator-Einstellung verstehen — sonst landet das wertvolle Wirkprofil ungenutzt im Rückstand.
Den zweiten Schwerpunkt setzt Hoffmann auf die ökonomische Realität in der Apotheke: Der Qmed als reproduzierbares Medical Device macht inhalative Therapie alltagstauglich, doch die deutsche Hilfstaxe kennt für inhalierbare Extrakte bislang keine eigene Abrechnungslogik. An einer transparenten Beispielkalkulation — vom Beispiel-Einkaufspreis über Apothekenzuschlag und Kartuschen bis zur Mehrwertsteuer — zeigt er, wie sich ein Gesamtbetrag von 109,06 Euro ergibt, und macht zugleich auf das latente Retax-Risiko durch die Krankenkassen aufmerksam. Ein Beitrag, der Verordnungssicherheit und wirtschaftliche Machbarkeit ärztlich und pharmazeutisch zusammendenkt.
Drei Formate an einem Tag - der Circle of Experts

Fachvorträge
Klinische Praxis aus Schmerz- und Palliativmedizin, Neurologie, Pharmakologie, Pflege und Apotheke. Kurze Slots, hoher Praxisbezug, Q&A direkt im Anschluss.

Fachdiskussionen
Moderierter Austausch zwischen Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege. Themen werden vorab gesammelt und gemeinsam priorisiert.

Netzwerken
Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege kommen in kleinen Tischrunden gezielt miteinander ins Gespräch, vertiefen Kontakte aus dem Tagesprogramm und knüpfen neue Verbindungen.
Die Fachexpert:innen
Klinik, Forschung, Apotheke und Pflege — die Sprecher:innen kommen aus den Bereichen, in denen Medizinalcannabis täglich angewendet wird.

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel
Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth. Im Circle of Experts beleuchtet er ethische Aspekte der Medizinalcannabis-Therapie und plädiert für realweltliche Studien.

Prof. Dr. med. Thomas Herdegen
Prof. Dr. med. Thomas Herdegen ist Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, langjähriger stv. Leiter des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie am UKSH Kiel. Mitautor der Praxisleitlinie Cannabis und Träger des Deutschen Schmerzpreises 2024.

Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander
Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander ist Facharzt für Allgemein- und Suchtmedizin, leitet das Kompetenzzentrum K.C.M. Hannover für Cannabismedizin und ist Präsident der Deutschen Medizinal-Cannabis-Gesellschaft (DMCG). Lehrbeauftragter zu Suchtmedizin, Psychopharmakologie und Cannabismedizin.

André Ihlenfeld
Dr. André Ihlenfeld ist Facharzt für Anästhesiologie und Schmerzmediziner sowie medizinische Leitung bei Copeia, wo er Projekte zur patientenbezogenen Datenerfassung unter Cannabistherapie verantwortet (u.a. Physicians Experience Platform). Co-Autor von Publikationen zu Cannabisarzneimitteln.
Weitere Informationen
- [00:00] — Welche Cannabis-Zubereitungen aktuell im Markt verfügbar sind.
- [00:28] — Bioverfügbarkeit: inhalativ 10-35 %, oral nur 10-20 % beim THC.
- [01:00] — Über 200 Terpene als pharmakologische Begleitstoffe nachgewiesen, Diskussion ihrer Siedepunkte und Vaporisator-Temperaturen.
- [01:40] — Qmed als Medical Device für reproduzierbare Inhalations-Verabreichung.
- [02:31] — Hilfstaxe lückenhaft — Retax-Risiko bei inhalierbarem Extrakt.
Welche Cannabis-Zubereitungen gibt es aktuell im Markt und welche stehen zur Verfügung? Es gibt einige Fertigarzneimittel: Canemes, ich weiß nicht, wer das schon einmal in der Apotheke gehabt hatte — ein synthetisches Cannabinoid, Nabilon, in Kapselform. Sativex als Spray-Variante. Epidyolex als CBD-dominantes Fertigarzneimittel. Und natürlich die ganzen Rezepturarzneimittel — Dronabinol, Cannabisblüten und inhalierbare Extrakte.
Zur Bioverfügbarkeit ganz kurz: Inhalativ kommen tatsächlich nur 10 bis 35 Prozent der Dosis an beim THC, der Rest wird hepatisch oder pulmonal eliminiert. Oral sind es noch etwas weniger, 10 bis 20 Prozent. Die maximale Plasmakonzentration von CBD und THC tritt inhalativ nach 15 bis 30 Minuten auf — oral dauert es deutlich länger, zwei bis drei Stunden in der Regel.
Terpene gibt es über 200 verschiedene, die mittlerweile in einer Cannabisblüte nachgewiesen wurden. Jedes Terpen hat eine gewisse Wirkung, eine gewisse Eigenschaft. Ich habe sechs häufig diskutierte hervorgehoben: Myrcen, Limonen, Humulen, Pinen, Linalool und Beta-Caryophyllen. Sie haben alle unterschiedliche Siedepunkte, von daher muss man immer schauen, wie man den Vaporisator einstellt, damit die Terpene wirklich in die Gasphase übergehen und das Material stark genug erwärmt wird.
Als Medical Device haben wir mittlerweile den Qmed im Markt, ein sehr gutes Device, das wirklich dafür sorgt, dass der Patient reproduzierbar verabreicht bekommt. Man erzielt reproduzierbare Ergebnisse dadurch, man weiß, wie die Einnahme ist. Es ist relativ einfach einzunehmen oder anzuwenden — man muss nicht irgendwelche Sachen vorbereiten, sondern kann das Device im ärztlich verordneten Therapieregime zur schnellen Anwendung kommen.
Der Curaleaf-Extrakt kostet aktuell im Markt 2.400 Euro bei 30 ml Inhalt — für 1 ml wären das dementsprechend 80 Euro. Ganz kurz zur Abrechnung: Es gibt aktuell in der Hilfstaxe nur zwei Varianten, wie man taxieren kann — einmal die Blüten und einmal Oralextrakt. Für inhalierbaren Extrakt gibt es keine richtige Preisberechnung. Wir in den Apotheken haben das erstmal nach der inhalierbaren Form für Blüten abzurechnen versucht — hat tatsächlich nicht funktioniert, wir haben sofort einen Retax bekommen. Danach haben wir es für orale Extrakte gemacht, bis jetzt ist es so durchgegangen, aber man weiß ja, dass die Krankenkasse da nicht schläft. Anhand dieser Variante sind es 80 Euro pro Milliliter, 4,85 Euro Apothekenzuschlag bis zu 80 Euro. Als Beispiel: 80 € plus 4,85 € Zuschlag pro Milliliter, dazu die Kartuschen und zwei Mundstücke — eine Kartusche umfasst jeweils 0,5 ml — sind 6,80 Euro Einkaufspreis, plus Mehrwertsteuer ergibt einen Gesamtbetrag von 109,06 Euro, den man abrechnen kann.







