Sascha Sassen - Trailer 2026

In Kürze

Worum geht es in dem Podcast?

Sascha Sassen, CEO der hesena Gruppe und Geschäftsführer der Sascha Sassen Pflegeberatung, bringt im Trailer zum Circle of Experts 2026 die pflegefachliche Perspektive auf die Schmerztherapie und den Einsatz von Medizinalcannabis ein. Während ärztliche Vorträge Leitlinien, Studien und Regressrisiken in den Vordergrund stellen, verschiebt Sassen den Fokus auf das, was in der stationären und ambulanten Altenhilfe sowie in der Eingliederungshilfe tatsächlich geschieht: ein 24/7-Blick auf Patientinnen und Patienten, der die Schmerzsituation als kontinuierliches Profil und nicht als punktuelle Messung versteht.

Seine Kernthese: Die externe Regulation durch medizinische Dienste prüft oft nicht das, was in Expertenstandards verankert ist — und die soziale Erwünschtheit klassischer Schmerzskalen verzerrt die Patientenantwort. Sassen plädiert daher dafür, Schmerz nicht primär nach Intensität, sondern nach Behandlungsrelevanz zu erfassen, und stellt das biopsychosoziale Pflegemodell als seit 26 Jahren erprobten Rahmen vor. Für die rund 90 Prozent kognitiv eingeschränkten Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Einrichtungen, die weder studienfähig noch durch Standard-Messinstrumente erreichbar sind, fordert er Fremdeinschätzungssysteme wie die BESD-Skala und den PAINAD-Score als verbindlichen Bestandteil pflegerischer Standards.

Daraus leitet Sassen ein klares Versprechen an die ärztlichen und therapeutischen Partner ab: Pflegefachpersonen beobachten Wirkungen und Nebenwirkungen von Medizinalcannabis strukturiert, evaluieren Behandlungsziele entlang qualitativer Lebensqualitäts-Kriterien — Beweglichkeit, Selbstpflege, soziale Teilhabe — und definieren das Therapieziel gemeinsam mit dem Patienten. Mit dem Zitat seiner Onkologie-Patienten — Schmerzfreiheit sei nicht das Ziel, sondern eine ausgewogene Nivellierung zwischen Belastbarkeit und Dialogfähigkeit — markiert er den Anspruch, den der Kongress 2026 für die interprofessionelle Cannabistherapie setzt.

Drei Formate an einem Tag - der Circle of Experts

Mann hält Vortrag über Cannabis im Alter vor Publikum im Hotelkabinett.

Fachvorträge

Klinische Praxis aus Schmerz- und Palliativmedizin, Neurologie, Pharmakologie, Pflege und Apotheke. Kurze Slots, hoher Praxisbezug, Q&A direkt im Anschluss.

Frau mit Mikrofon spricht bei einem Treffen, umgeben von anderen Zuhörern in einem Büro.

Fachdiskussionen

Moderierter Austausch zwischen Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege. Themen werden vorab gesammelt und gemeinsam priorisiert.

Frau mit Brille in Gespräch mit einem Mann, der eine Wasserflasche hält, in lockerer Umgebung.

Netzwerken

Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege kommen in kleinen Tischrunden gezielt miteinander ins Gespräch, vertiefen Kontakte aus dem Tagesprogramm und knüpfen neue Verbindungen.

Die Fachexpert:innen

Klinik, Forschung, Apotheke und Pflege — die Sprecher:innen kommen aus den Bereichen, in denen Medizinalcannabis täglich angewendet wird.

Portrait von Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth. Im Circle of Experts beleuchtet er ethische Aspekte der Medizinalcannabis-Therapie und plädiert für realweltliche Studien.

Arzt/Ärztin
Portrait von Prof. Dr. med. Thomas Herdegen

Prof. Dr. med. Thomas Herdegen

Prof. Dr. med. Thomas Herdegen ist Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, langjähriger stv. Leiter des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie am UKSH Kiel. Mitautor der Praxisleitlinie Cannabis und Träger des Deutschen Schmerzpreises 2024.

Arzt/Ärztin
Portrait von Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander

Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander

Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander ist Facharzt für Allgemein- und Suchtmedizin, leitet das Kompetenzzentrum K.C.M. Hannover für Cannabismedizin und ist Präsident der Deutschen Medizinal-Cannabis-Gesellschaft (DMCG). Lehrbeauftragter zu Suchtmedizin, Psychopharmakologie und Cannabismedizin.

Arzt/Ärztin
Portrait von Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl

Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl

Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der MHH und 1. Vorsitzende der ACM und IACM. Sie leitet randomisierte kontrollierte Studien zu Cannabinoiden bei Tourette-Syndrom und Tic-Störungen.

Arzt/Ärztin
Portrait von Prof. Dr. Sven Gottschling

Prof. Dr. Sven Gottschling

Prof. Dr. med. Sven Gottschling ist Chefarzt des Zentrums für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Über 25 Jahre Erfahrung mit Cannabis-Verordnungen in Palliativ- und Schmerztherapie.

Arzt/Ärztin
Portrait von Dr. Christiane Neubaur

Dr. Christiane Neubaur

Dr. Christiane Neubaur ist Apothekerin und Geschäftsführerin des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA). Sie moderiert die Podcasts „VCA Hanf Gespräch“ und „ArztCann“ und ist Co-Autorin des Sachbuchs „Cannabis – Heilkraft der Natur“.

Arzt/Ärztin
Portrait von Dr. med. Matthias Giesel

Dr. med. Matthias Giesel

Dr. Matthias Giesel ist Facharzt für Anästhesiologie und leitet die Schmerzklinik am Marienkrankenhaus Soest sowie die Praxis für Schmerztherapie und Palliativmedizin im Hospitalverbund MVZ Soest. Beratertätigkeit für die Pharmaindustrie zu Medicinal Cannabis.

Arzt/Ärztin

Dr. med. Daniel Huse

Dr. med. Daniel Huse ist Facharzt für Anästhesiologie mit Schwerpunkten Schmerztherapie, Palliativ- und osteopathische Medizin. In seiner Einzelpraxis in Remagen ist medizinisches Cannabis seit 2017 fester Bestandteil der Behandlung chronischer Schmerzen.

Arzt/Ärztin

Johannes Hoffmann

Johannes Hoffmann ist Apotheker und Gründer der Alle Farben Apotheke (Schreibersche Apotheke Melle), spezialisiert auf medizinisches Cannabis mit Blüten, Extrakten und galenischen Spezialrezepturen – insbesondere für den Palliativbereich.

Apotheker/Apothekerin

Sascha Saßen

Sascha Saßen ist Diplom-Pflegewirt, Schmerzexperte (CEKIP) und seit April 2025 CEO der hesena Gruppe. Im Circle of Experts referierte er zu Schmerzmanagement in der stationären Langzeitpflege und zum Arzneimittelprozess in Pflege- und Palliativversorgung.

Geschäftsführung

Nicolas C. Enriquez

Nicolas C. Enriquez ist Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie Dozent für pflegefachliche Berufe. Mit Master in Health Care Administration berät er freiberuflich zu klinischer Forschung und evidenzbasierter Anwendung von Medizinalcannabis.

Pflegekraft

André Ihlenfeld

Dr. André Ihlenfeld ist Facharzt für Anästhesiologie und Schmerzmediziner sowie medizinische Leitung bei Copeia, wo er Projekte zur patientenbezogenen Datenerfassung unter Cannabistherapie verantwortet (u.a. Physicians Experience Platform). Co-Autor von Publikationen zu Cannabisarzneimitteln.

Arzt/Ärztin

Weitere Informationen

  • [00:00] — Pflege blickt 24/7 mit anderer Dauer und Respekt auf Patienten
  • [00:35] — Externe Regulation der medizinischen Dienste hat mit Leitlinien wenig zu tun
  • [01:46] — Biopsychosoziales Pflegemodell seit 26 Jahren etabliert in Pflegewissenschaft
  • [02:49] — Bei kognitiv Eingeschränkten BESD-Skala und PAINAD-Score statt Selbsteinschätzung
  • [04:07] — Onkologie-Patienten: Ausgewogene Nivellierung statt Schmerzfreiheit ist hohe Kunst

Jetzt wird es pflegefachlich, so ein bisschen zumindest. Ich habe sehr viele Parallelitäten heute Morgen bei den stark wissenschaftlich und ärztlich dominierten Bereichen gesehen. Wir sind an einem ganz anderen Punkt in der Pflege angesiedelt, in einer stationären und ambulanten Altenhilfe, aber auch in der Eingliederungshilfe, und schauen 24/7 mit einer gewissen anderen Dauer und dem notwendigen Respekt auf die Patienten. Ich höre immer gerne aus dem Mund der Ärzte, wie verpflichtend sie Leitlinien anwenden wollen und welche Angst vor Regressen sie haben. Das ist alles richtig, aber ich erlebe doch etwas anderes, denn das leitlinienlose Rumgewurschtel mancher Kollegen und auch bei uns in der Pflege ist sehr stark etabliert. Hinzu kommt, dass die externe Regulation, das heißt das, was medizinische Dienste überprüfen, oftmals mitnichten etwas mit den Leitlinien zu tun hat.

Patienten sind nicht doof. Sie merken, wenn es eine Leitlinie oder einen Standard gibt, dass auf der Station Medikamente nur bei Bedarf verabreicht werden. Wenn ich 4 von 10 im Schmerzniveau angebe und bei 3 von 10 die Nachtschwester wieder weggeht und sagt „naja gut, dann vielleicht beim nächsten Mal — die Schmerzen sind nicht stark genug, weil meine Anordnung so aussieht“, dann führt diese soziale Erwünschtheit dazu, dass der Patient demnächst eine andere Antwort gibt. Das haben wir aus dem Standard wieder rausgenommen. Wir fragen den Patienten nur noch nach einem relevanten Merkmal: Ist der Schmerz, den Sie haben, egal wie stark, behandlungsrelevant oder nicht behandlungsrelevant? Die ordentliche Betrachtung, das biopsychosoziale Pflegemodell, ist etwas, was wir seit 26 Jahren in der Domäne der Pflegewissenschaft vor uns hertragen, beherrschen und auch zum Ausdruck bringen.

Man muss relativ schnell einen Schmerzpatienten erkennen können. In einer aktuellen Diskussion war in einer Pflegeeinrichtung ein Rezept überfällig, das Medikament nicht geliefert. Ich behaupte: Das hat erst einmal wenig mit dem Rezept und den Medikamenten zu tun, sondern die Schmerzsituation des Betroffenen hätte mich dazu veranlassen müssen zu sagen: Hier stimmt etwas nicht — das Medikament ist gar nicht da, weil der Patient mir das Profil tatsächlich anbietet. Jetzt haben wir ein Riesenproblem: Die Studien, wie wir alle gesehen haben, funktionieren nicht bei 90 Prozent des Patientenklientels, das wir in unserer stationären Pflegeeinrichtung haben, nämlich kognitiv eingeschränkten Personen. Zwei Probleme: Erstens ist die Studienteilnahme ein ethischer Konflikt. Zweitens können diese Patienten nicht mit den Messinstrumenten der Medizin untersucht werden, ob Schmerzen vorliegen oder nicht. Wir setzen daher auf Fremdeinschätzungssysteme wie die BESD-Skala — ein Instrument für Schmerzen bei Demenz — oder den PAINAD-Score.

Ein wichtiger Punkt zu den Aspekten, die wir gehört haben, warum Ärzte den Einsatz von Medizinalcannabis unter Umständen ablehnen, weil sie Sorge vor möglichen Nebenwirkungen oder unbeobachteten Wirkungen haben: Antwort Nummer eins von uns als Pflegefachpersonen — das ist Bestandteil unserer Standards. Das darfst du als Therapeut auch von uns erwarten, dass wir das tun. Ich zeige gleich noch ein paar Instrumente, mit denen man das machen kann. Zum Schluss evaluieren wir die Maßnahmen, messen wieder die Schmerzintensität und prüfen, ob die Behandlungsziele, die wir uns gemeinsam festgelegt haben, analog dem biopsychosozialen Pflegemodell — also auch die qualitativen Ziele in Bezug auf die Lebensqualität — eingehalten worden sind: Beweglichkeit, sich selbst anziehen, waschen und kleiden, an sozialen Interaktionen teilnehmen — und eine stabile, akzeptable Schmerzsituation.

Eine Schmerzsituation, die gut kompensiert, aushaltbar, austarierbar ist. Meine Patienten in der Onkologie haben mir stets gesagt: Schmerzfreiheit ist nicht mein Ziel, sondern eine ausgewogene Nivellierung zwischen dem, was ich noch können und schaffen möchte. Ich möchte den Dialog mit meinen Angehörigen führen. Bei absoluter Schmerzfreiheit kann ich das nicht, dann bin ich in Narkose und nicht mehr ich selbst, habe mich nicht unter Kontrolle. Dieses Niveau zu erreichen — das wäre die hohe Kunst.